10.02.2021

Pressemitteilung Ausstellung "RAUSCH DER FARBE"


PRESSEMITTEILUNG

#jubiläum25-2 Ausstellung:

RAUSCH DER FARBE

Mit Werken von Ulla Albert, WalterAngerer d.J., Gerlinde Belz-Küpper, Hubertus Brunstering, Barbara Brack, Patrick Bubna-Litic, Sabine Clemens, Renate Gegenfurtner, Sophie Englmaier, Christopher Eymann, Menno Fahl, Ernst Fietz, Regula Frey, Gabriele Füssl, Karin Goeppert, Judith Gratias-Klamt, Josefine Hartl, Rita Höfler, Chourouk Karkoutly-Faller, Inge Krammer, Sabine Kühner, Sigrun Kössler, Gundula Manson, Ulrike Perner, Klaus Pöschl, Sabrina Quintero, Regine Rauin, Renate Rüter-Nork, Tanja Schmidt-Osterkamp, Veronika Schulte –Bockholt, Maria Weber, Sigrid Wirth, Leona Zeller

 

Grußwort: Dr. Christoph Lung, Oberbürgermeister der Stadt Bad Reichenhall

Einführung: Stefan Wimmer, Direktor der Kunstakademie Bad Reichenhall

Ort: Städtische Galerie –Kunstakademie, Alte Saline 83435 Bad Reichenhall

Ausstellungsdauer:  4. – 21. Februar 2021

Zu besichtigen auf Facebook, youtube

 

 

Liebe Kolleg*innen, liebe Redakteur*innen,

 

am heutigen Donnerstag, den 4. Februar um 19 Uhr eröffnen wir unsere Ausstellung RAUSCH DER FARBE in diesem Jahr in der Städtischen Galerie/Kunstakademie Bad Reichenhall. Die Ausstellung vereint Werke die Farbe in den Fokus der künstlerischen Idee stellen und ist die zweite Präsentation unserer Ausstellungsreihe im Rahmen des Jubiläumsprogramms 25 Jahre Kunstakademie Bad Reichenhall.

 

Spätestens seit Mitte des 19. Jahrhunderts ist die Farbe der Mittelpunkt künstlerischen Wirkens. Mit den Impressionisten begann der Siegeszug einer modernen Betrachtung der Welt. Nicht mehr Abbild oder metaphorische Auf- und Bearbeitung biblischer oder anderer mythischer Erzählungen, sondern die künstlerische Idee mittels Farbe das Licht einzufangen, bestimmten das künstlerische Tun.

 

Cézanne als Vater der modernen Kunst hat die Komposition seiner Gemälde auf dem Zusammenspiel von Farbflächen aufgebaut und damit den Künstler*innen einen neuen Blick auf die Verwendung von Farbe ermöglicht.

 

Mit den Fauves und den Expressionisten hat sich zu Beginn des 20. Jahrhunderts die Farbe vom Gegenstand befreit. Die reine Empfindung, die Seele, das Gefühl und ihr malerischer Ausdruck fanden ihren Weg mittels farblicher Explosionen und eines radikalen nebeneinander oft kontrastierender Farben auf die Leinwand. Nicht zufällig, sondern in einer historisch außergewöhnlichen Konstellation treffen sich dramatische gesellschaftliche Entwicklungen der Industrialisierung und dem Prekariat, der massiven Beschleunigung der Urbanisierung und das Entstehen von Metropolen zusammen mit bahnbrechenden wissenschaftlichen Neuerungen wie der Quantenphysik, medizinischen Errungenschaften und nicht zuletzt der „Entdeckung“ der Seele und der Psyche durch Sigmund Freud.

Diese dynamische Umbruchssituation findet ihre Entsprechung in der bildenden Kunst neben den Expressionisten auch in den Avantgarden zu Beginn des 20. Jahrhunderts mit den Suprematisten oder der konkreten Kunst. Mit Wassily Kandinsky und seiner Formulierung der neuen abstrakten Kunst als Komposition von Farbe und Form wird die Malerei befreit von einer gegenständlichen oder allegorischen Darstellung.

 

In der zweiten Hälfte des 20.Jahrhunderts mit den abstrakten Expressionisten, dem Informel, dem Tachismus oder der Op Art, der Farbfeldmalerei bis heute mit NeoGeo und anderen Stilrichtungen der Kunst ist die Farbe als Gestaltungsmerkmal künstlerischer Arbeit zum zentralen Gegenstand gemacht worden.

 

Die Ausstellung ist in insgesamt vier Abschnitte gegliedert: Rausch und Dynamik, Stadt und Landschaft, die Figur und Farbe als Material.

 

Mit dem zentralen, großformatigen Werk von Gratias-Klamt starte die Ausstellung. Ihre Arbeiten bestechen durch einen dynamischen Farbauftrag, der eine Art Dschungel der Farben schafft, die dennoch in so gekonnter Weise gesetzt sind, dass die Farbflächen sich gegenseitig steigern. Neben diesem Werk präsentieren wir mit Christopher Eymann nicht nur einen früheren Assistenten von Anselm Kiefer, sondern vor allem auch einen Meister der emotionalen Steuerung durch kalkulierten Setzung von Farben auf der Leinwand. Seine beiden mittel-formatigen Werke bestechen durch ihre Tiefe, die durch das Verhältnis der Farben wie auch den Einsatz von beinahe skripturalen Linien als Gegensatz den Betrachter führen. Die Werke von Leona Zeller, Sophie Englmaier und Patrik Bubna-Litic sind geprägt durch den dynamischen Farbauftrag, der offensichtlich höchsten Körpereinsatz erfordert und damit in der Tradition des amerikanischen Expressionismus der 50er und 60er Jahre des 20. Jahrhunderts steht.

 

Demgegenüber zeigen wir einen Block mit Werken, die Farbe als Ausdruck der eigenen Empfindung realer Gegenstände, von Stadt und Landschaft begreifen. Hierzu zählt die zeitgenössische Interpretation einer Stadtansicht von Josefine Hartl, die Berglandschaft von Sabine Kühner, welche stark an die Davoser Bergbilder von Ernst-Ludwig Kirchner erinnert aber auch die freie Interpretation eines Herbstwaldes von Ulla Albert, die eine Aufsplitterung der Farben und Formen bis hin zur Abstraktion betreibt und dabei Erinnerungen an David Schnell weckt.

 

Der Farbrausch findet seine Fortsetzung in einer Gruppe von Werken, die die menschliche Figur zum Gegenstand hat. Walter Angerer d.J., Gründungsvater der Kunstakademie ist mit einem Gemälde von Hermann Nitsch im Stil der Pop Art vertreten, das in raffinierter Weise verlaufende Farbe ganz im Stile von Nitsch´ Orgien und Mysterienspiel einsetzt. Daneben zeigen wir einen Alien von Inge Krammer. Der extrem pastose Farbauftrag, lässt die Maloberfläche lebendig werden. Tiefe Risse und Furchen treffen auf verlaufende Farbflächen, die insgesamt eine Figur ergeben. Ihr gänzlich eigener Ansatz trifft in der zeitgenössischen Kunst auf die Verwandtschaft zu zwei herausragenden Malerpersönlichkeiten: zum einen das verfremdete Erscheinungsbild von Menschen im Werk von Daniel Richter und zum anderen auf die surreal anmutenden Figuren lebender Farbmasse beim britischen Künstler Glenn Brown.

 

Der letzte große Abschnitt in der Ausstellung vereint Gemälde, deren Kern Farbe als Material begreift. Dynamische Formen mit pastosem Farbauftrag bei Rauin, ein wenig erinnernd an Ernst Wilhelm Nay, auseinanderstrebende Formen bei Ernst Fietz und kristallin geschichtete Farbflächen bei Rita Höfler. Sabrina Quintero erinnert in ihrem farblich sehr zurückhaltenden Gemälde an eine wichtige Aussage von Gerhard Richter: „Grau ist doch auch eine Farbe, und manchmal ist sie mir die Wichtigste.“ (Gerhard Richter in einem Interview Deutsche Zeitung, 1972). Grau ist in seiner Sichtweise wie die Summe aller Farben zu verstehen, denn Grau enthält alle Farben. So ist bei Quintero eine graue Landschaft am Horizont mit kleinen Farbspritzern in rot, gelb, grün versetzt und lässt den Betrachter die Fülle des Spektrums erahnen.

Auf Grund der Corona Pandemie ist ein Besuch in der Ausstellung leider nicht möglich. Sie können die Ausstellung aber über unsere social media Kanäle digital ansehen. Der Videorundgang wird ab heute, 4. Februar 2021, 19 Uhr verfügbar sein.

 

Wir freuen uns, über redaktionelle Beiträge.

 

Stefan Wimmer +49 8651-3713 oder wimmer@kunstakademie-reichenhall.de